Weihnachten

Das Wetter über Weihnachten war leider alles andere als wünschenswert. Es hat schon Tage vorher angefangen zu regnen, sodass Berenike nicht weiter auf ihrer Kiwifarm arbeiten konnte. Sie hat einen Bus gefunden, der sie am 23.12. nach Auckland bringt von wo ich sie abgeholt habe. Zuvor habe ich mich noch mit Emily getroffen und wir sind zusammen zu einer deutschen Bäckerei gefahren um endlich nochmal richtiges Brot und eine anständige Brezel zu essen. Auf dem Rückweg haben wir dann Berenike abgeholt.

Weihnachten wird hier in Neuseeland bei den meisten so wie in Großbritannien oder Amerika gefeiert. Nicht am 24. abends sondern am 25. morgens.

Auch meine Gastfamilie hat das so beibehalten, wie es die Einwanderer und Imperialisten vorgelebt haben. Am 24. war aufräumen angesagt. Zuvor gab es ein super deutsches Frühstück, denn ich hatte am Tag zuvor aus der Bäckerei Brötchen mitgebracht um ein echtes deutsches Frühstück zu machen. Danach aufräumen und putzen für die Gäste am nächsten Tag. Dazu muss man sagen, dass das alles hier deutlich entspannter läuft als in Deutschland. Bei uns wird gewohnheitsmäßig gefühlt eine Woche vor Weihnachten angefangen zu putzen und aufzuräumen. Der Baum wird maximal 2 Tage vor Heiligabend aufgestellt, damit er noch schön und frisch aussieht und nicht zu viel nadelt. Ich kann den „Baum“ den wir hier hatten nicht kommentieren, ohne ihn schlecht zu machen, so leid es mir tut. Natürlich sind die Häuser in Neuseeland nicht mit denen in Deutschland vergleichbar. Hier sind die Häuser deutlich kleiner (meistens nur Erdgeschoss) und schlecht isoliert aber das rechtfertigt meiner Meinung nach noch lange keinen Kniehohen Plastikbaum!! Aber dieses entspannte aufräumen war wirklich sehr gut. Ich werde zu Hause anregen dass auch einzuführen.

Abends haben wir ein Picknick am Wohnzimmerboden gemacht. Da die Kinder nicht richtig essen können und mindestens 15% ihres Essens unter dem Tisch oder zumindest neben dem Teller landet war das wirklich eine gute Entscheidung. Eigentlich wollten wir essen gehen, aber das angepeilte Lokal hatte zu und so gab es Takeaway Fish and Chips auf einer Picknick Decke am Boden. Ich muss sagen, es war noch seltsamer als ich es mit vorgestellt habe aber nicht schlecht. Es war auf jeden Fall eine wertvolle Erfahrung auch wenn ich sag muss, das ich sowohl in den Wochen vorher nicht in Weihnachtsstimmung war noch am Tag selbst ein besonderes Weihnachtsfeeling gehabt hätte. Es gab am 24. sogar noch eine Überraschung nämlich ist das Päckchen von meinen Eltern angekommen. Ich habe es ordnungsgemäß unter den Baum gelegt und mich tatsächlich bis zum 25. beherrschen können es nicht zu öffnen.

Am nächsten morgen war es dann soweit: Weihnachten. Eine Überraschung wartete direkt vor meiner Tür, nämlich hatten die Kinder davon erzählt, dass sie eine Socke voll mit Kleinigkeiten vor ihrer Tür haben. So ähnlich wie Nikolaus bei uns. Ich hab nicht erwartet, dass ich auch eine Socke bekomme umso erfreuter war ich, als ich morgens eine vor meiner Tür gefunden habe. Da wir am 25. morgens feiern und in Deutschland am 24. abends gefeiert wird haben wir aufgrund der Zeitverschiebung quasi gleichzeitig gefeiert. Nachdem ich mit meinen lieben zu Hause geskyped hatte ging es an die Bescherung. Die Bescherung hat sich nur dahingehend von einer deutschen Bescherung unterschieden, dass sie morgens war und logischerweise auf Englisch abgehalten wurde.

Dazu muss ich sagen, dass der eigentliche Sinn von Weihnachten vollkommen ignoriert wurde… wobei es lustig ist, dass ich mich an Halloween mit Lachlan unterhalten habe und er meinte, dass sie Halloween nicht zelebrieren, weil es lediglich der Konsumgesellschaft dient und keine eigentliche Bedeutung hat… Ich weiß nicht genau, wo hier der unterschied zwischen Weihnachten und Halloween gemacht wird. Es scheint einen zu geben, der sich mir jedoch noch nicht offenbart hat. Das gleiche Phänomen nimmt auch in Deutschland kontinuierlich zu. Kaum einer glaubt mehr an Gott oder ähnliches, aber alle wollen Weihnachten feiern. Ich kann ja verstehen, dass die Weihnachtsstimmung schon schön ist und dass es eine besondere Zeit im Jahr ist (davon möchte ich mich gar nicht lossprechen und der Weihnachtsmarkt würde mir sehr fehlen, wenn es ihn nicht gäbe) aber was mich dann ankotzt sind Menschen, die an Weihnachten anfangen das ganze übertrieben zu zelebrieren und Geschenke kaufen und alles Weihnachtlich dekorieren und einen auf Fest der Liebe und Versöhnung und Gott ist uns Nahe und den ganzen Scheiß zu machen. Ganz ehrlich, das ist so eine Heuchelei, dann an Weihnachten den Gutmenschen zu spielen und die Familie einzuladen und Karten an Menschen zu schreiben, an die man sonst keinen Gedanken verschwendet und eine Krippe aufstellt und den ganzen Kram. Wobei ich nicht einmal sagen kann was ich schlimmer finde, die Menschen, die das ganze Jahr über nicht in die Kirche gehen aber dann an Weihnachten, weil es ja dazu gehört oder die, die das nicht machen, weil sie sagen, dass sie das ganze Jahr nicht zum Gottesdienst gegangen sind und das an Weihnachten dann heuchlerisch finden… Omg ich könnte mich da so drüber aufregen… An all diese Menschen Fuck You!!!

Wenn ich später mal Kinder haben sollte werde ich mit denen an Weihnachten in Urlaub fahren, damit man aus dieser ganzen Scheiße rauskommt. Dann ist wenigstens der Teil Fest der Liebe bzw Fest der Familie erfüllt. Verzeiht diesen kleinen Aussetzer und die rüden Worte, aber so was regt mich auf.

Während wir im kleinen Kreis Geschenke überreicht haben sind Kates Eltern angekommen und danach immer mehr Verwandte. Es gab ein Buffet, jeder hat etwas mitgebracht und es war eine echt nette Party. Wie gesagt, der Weihnachtliche Geist ging dem ganzen völlig ab, es hätte auch ein Geburtstag sein können, an dem jeder Geschenke bekommt. Aber es war lustig und ich jedenfalls bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben. Gegen Nachmittag haben Berenike und ich uns ein bisschen zurück gezogen, da es tatsächlich ziemlich anstrengend war, allein vom Verständnis und allem. Wir haben „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geguckt, den ultimativen Weihnachtsfilm, den ich seit ich aus Deutschland weg bin bei Netflix als Download gespeichert hatte. Sehr geil. Dann ist gar nicht mehr so viel passiert, irgendwann sind alle gegangen und wir haben den Abend als Familie gemütlich ausklingen lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.