Berenike

Ich bin mittlerweile echt ziemlich hinterher mit meinen Einträgen, Verzeihung dafür. Allerdings ist auch einiges passiert in letzter Zeit und ich war ziemlich beschäftigt. Eine Woche vor Weihnachten ist Berenike hier eingezogen. Eine Freundin, die auch Au Pair gemacht hat und dann relativ spontan bei ihrer Familie ausgezogen ist. Berenike ist schon länger hier auf Neuseeland (seit Juli) und hatte bereits einmal ihre Familie gewechselt, da diese aufgrund von Renovierungsarbeiten am Haus sich kein Au Pair mehr leisten konnten. Dann ist Niki (wie ich sie nenne, was sie aber nicht mag) zu einer anderen „Familie“ gezogen. Die Gastoma in diesem Fall passt sowohl auf das Kind ihrer Drogenkonsumierenden* Tochter als auch auf ihren Neffen auf. Laut Berenike ist das Kind keine vernünftige Erziehung gewöhnt (irgendwo verständlich, dass man als Oma keinen Bock mehr auf Erziehung hat. Kann mir sehr gut vorstellen, dass man sich total freut, wenn die eigenen Kinder ausgezogen sind und man sich erst mal auf Zeit für sich freuen kann.) Ich war ein paar mal da und ehrlich gesagt, wenn das Kind auch nur halb so schlecht erzogen ist wie die drei Hunde, dann Prost Mahlzeit.

Aber ich schweife ab: Berenike hatte mir und Emily anvertraut, dass sie nicht mehr wirklich Lust auf Au Pair hat und lieber früher als Später damit aufhören würde. Emily, die ebenfalls aus ihrer Familie weg wollte, hat sich ein paar Mal mit der Oma getroffen und beschlossen, das nächste Au Pair zu werden, wenn Berenike auszieht. Soweit so gut. Im laufe der Wochen ist Berenike jedoch klar geworden, dass sie echt keinen Bock mehr auf Au Pair hat. Aber es wäre ziemlich asozial, einfach in einer Nacht und Nebel Aktion abzuhauen, zumal die Logistik problematisch werden könnte, denn der ÖPNV ist hier so gut wie nicht existent. Ohne eigenes Auto kommst du hier nicht weit.

Anstatt mit der Oma zu reden hat Berenike sich erst mal an andere gewandt, allein um eine zweite Meinung zu hören. Unglücklicherweise wurde daraufhin Shelly (die Oma) darüber in Kenntnis gesetzt, dass Berenike gehen möchte. Ich kann sogar relativ gut nachvollziehen, dass so eine Nachricht vielleicht nicht ganz so schön zu hören ist, besonders, wenn man sie von einer dritten Person erhält. Durch Summierung weiterer Streitigkeiten und aus meiner Sicht eine vielleicht zu starke Dramatisierung von Situationen führte dazu, dass Shelly Berenike am Freitag gesagt hat, dass sie gehen könnte, wenn sie wolle. Der genaue Wortlaut ist mir bis heute unbekannt, jedoch kam es einem Rauswurf anscheinend sehr Nahe.

Berenike hat dann die einzige zur Verfügung stehende Person angerufen (mich) nicht weil es keine Alternativen gegeben hätte, aber Imke, eine andere Au Pair Freundin, war zu dem Zeitpunkt auf einem Roadtrip (oder hatte diesen für das Wochenende geplant) und Emily anzurufen wäre wahrscheinlich keine allzu gute Idee gewesen, da es bestimmt nicht so gut bei Shelly angekommen wäre, wenn das neue Au Pair dem Alten quasi beim Auszug hilft. Blieb also nur ich. So leid es mir tut das sagen zu müssen, aber ich habe mich ein bisschen gefreut. Nicht weil ich etwas gegen die Familie habe (außer gegen die Hunde) aber es war aufregend, es ist was passiert und ich war mehr oder weniger direkt im Geschehen.

Ich konnte natürlich nicht einfach wen fremdes bei uns ins Haus holen, aber für Kate hat es überhaupt kein Problem dargestellt, dass jemand kurzfristig bei uns einzieht. Kate und Berenike haben sich super verstanden. Berenike hat das Wochenende hier verbracht (bei Zara im Zimmer, worauf Zara bestanden hat).

Am Sonntag sind wir zusammen zu den Kai Iwi Lakes gefahren, ein See der mich besonders empfohlen wurde. Viel zu unternehmen gab es dort nicht, aber es war auch schön einfach mal in der Sonne zu liegen, nichts zu tun und sich (in meinem Fall) einen Sonnenbrand im Bauchnabel zu holen, weil das der einzige Teil meines Körpers war, der nicht eingecremt war.

Der Lake war unglaublich blau und ich vermute, dass es ein See in einem Krater ist, aber das ist nur eine Vermutung. Es sah aus wie in der Karibik, strahlend blaues Wasser und unglaublich klar und ein toller Sandstrand. Das einzige, was ein bisschen gruselig war, war dass es plötzlich ganz tief wurde, wir sind quasi bis zur Kante gelaufen bzw. geschwommen und wieder zurück. Obwohl es ein See war und die Sonne die ganze Zeit geschienen hat, war der See nicht so warm wie erwartet, aber das war ok, es war eine nette Abkühlung nach der 3h langen Autofahrt.

Am Montag habe ich Berenike nach Whangerei gefahren, wo sie angefangen hat auf einer Kiwi Farm zu arbeiten. Kate hat sie vorher eingeladen Weihnachten in einer Woche bei uns verbringen zu können, was mich sehr gefreut hat, denn so gespannt ich auf ein neuseeländisches Weihnachten war, war ich doch beruhigt, den Tag nicht ganz ohne deutsche Gesellschaft verbringen zu müssen.

*Die in diesem Artikel wiedergegebene Meinung und Beschreibung der ehemaligen Gastfamilie von Familie ist meine subjektiv Ansicht und an einigen Stellen übertrieben. Sie basiert auf Erzählungen von Dritten und ist im großen Ganzen wahrscheinlich zutreffend, aber einige Wortlaute und Beschreibungen treffen aufgrund mangelnder Informationen und der Notwendigkeit die geschilderten Situationen im Kontext zu betrachten, möglicherweise nicht zu 100% zu.

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