Ich muss etwas weiter ausholen um alles von diesem Festival schildern zu können. Es fing damit an, dass Emily und ich uns überlegten, was man an NYE so alles machen könnte. Eine Big Party war angebracht, da man ja weg war, Neujahr am anderen Ende der Welt ist schon etwas besonderes, da man zum einen im Sommer ist und das natürlich verbesserte Bedingungen im Vergleich zu Deutschland sind (ich könnte mir im Gegensatz zu Weihnachten tatsächlich vorstellen Silvester immer im Sommer zu feiern. Es ist warm, man kann kurze Sachen anziehen, campen , am Strand chillen und sämtliches andere coole Zeug) und zum anderen gehören wir zu den Menschen, die als aller erstes auf der ganzen Welt das neue Jahr begrüßen. Ziemlich cool. Wir haben uns also an die Recherche gemacht, was man so an Neujar alles so in Neuseeland machen kann, wir waren hauptsächlich an Festivals interessiert (zu dem Zeitpunkt) und haben mehrere Möglichkeiten gefunden. Am coolsten wäre es gewesen, in Gisborne zu feiern. Das ist der östlichste Punkt Neuseelands, wo die Sonne am 1.1. des neuen Jahres als erstes zu sehen ist. Das Rhythem & Vines Festivals ist soweit ich weiß das größte Festival in Neuseeland. Problem: die Karten sind ziemlich teuer und man hätte erst mal 6 Stunden fahren müssen. Wir haben uns stattdessen für ein Festival ganz hier in der Nähe entschieden: das AUM-Festival.

Karten gekauft, alles tutti frutti. Allerdings hat es sich begeben, dass Emily und ich wie soll ich sagen, wir haben uns nicht direkt gestritten oder so, aber irgendwie hatten wir trotzdem kaum noch Kontakt vor Weihachten. Es war einfach ein bisschen komisch. Als wir uns nochmal getroffen haben, haben wir über das Festival geredet und spontan beschlossen, dass wir evtl doch eher wo anders feiern sollten. Eine größere Stadt oder so. Emily hat an diesem Plan festgehalten, während es für mich bei einem spontanen Einfall blieb, den ich danach quasi sofort wieder verworfen habe. Bei einem Trip nach Coromandel von dem ich ja bereits berichtet habe haben wir Kerrin kennengelernt. Emily hat sich sehr gut mit ihr verstanden. Ein paar Tage später hat Emily erzählt, dass Kerrin über Silvester nach Wellington fliegt wo eine ehemalige Klassenkameradin eine Party schmeißt für alle ehemaligen Klassenkameraden, die aktuell in Neuseeland sind und dass sie (Emily) eingeladen wurde. Damit war klar, dass Emily ihre Karte verkaufen musste. Die frage war nur an wen. Emily hatte bereits angedeutet, dass Berenike evtl Interesse an der Karte hätte aber aus finanziellen Gründen noch nicht genau wüsste, ab sie das wirklich machen wolle. Ansonsten hätte Emily noch in einer Facebook Gruppe ein Mädel aufgetrieben, die die Karte vielleicht haben wollte. Meine Begeisterung kann man sich vorstellen, über die Idee Silvester mit einem Fremden zu verbringen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bis zum Ende noch gehofft hatte, dass Emily doch mitkommt und ihre Karte nicht verkauft. Weniger, weil ich Silvester mit ihr verbringen wollte sondern eher, weil der Gedanke an Neujahr alleine zu sein echt Angst gemacht hat. Ich habe dann halbherzig auch noch nach Alternativen gesucht, aber zu dem Zeitpunkt hatten alle schon eigene Pläne (meistens Karten für ein Festival oder wollten in eine Stadt fahren oder sonst was). Spontan noch einen günstigen Flug irgendwohin über Neujahr zu finden ist annähernd unmöglich, von der Suche nach einem Hostel ganz zu schweigen. Mir graute schon vor dem Festival, als mich die erlösende Nachricht von Emily erreichte, dass Berenike die Karte für das Festival haben wollte. Ich war unglaublich erleichtert und habe mich riesig gefreut.

Die Chronologie ist hier etwas verwirrend, denn der Beitrag, wo ich schildere das Berenike bei mir eingezogen ist passiert eigentlich erst danach.

Nun stand also fest, dass Berenike und ich zusammen zum Festival gehen würden. Organisieren war angesagt. Das ganze wurde erleichtert, dadurch das Berenike eine Woche vor dem Festival bei mir einzog so konnten wir relativ entspannt zusammen einkaufen gehen. Da Kate und Lachlan mit den Kids ebenfalls über Neujahr campen wollten mussten wir uns noch ein Zelt und Luftmatratzen organisieren. Ein Zelt konnten wir uns von Kates Eltern leihen und zufälligerweise hat ein Mädchen in einer WhatsApp Gruppe grade zu diesem Zeitpunkt ihre Luftmatratze verkauft.

Wir haben uns riesig auf das Festival gefreut. Anreise war am 30.12. ab 11 Uhr morgens. Da man zu einer so unmenschlichen Zeit natürlich noch nicht wach ist oder jedenfalls noch nicht reise bereit haben wir uns erst mal noch einen gemütlichen Tag gemacht und sind so gegen 4 Uhr mit Sack und Pack zum Zeltplatz aufgebrochen. Das Wetter war toll und wir hatten genug Alkohol dabei.

Das Festival Gelände

Am Zeltplatz angekommen wollten wir zuerst das Zelt aufbauen. Unser Problem: das Zelt war ein recht altmodisches Gerät, welches sich dadurch auszeichnete, dass es ganz viele Metallstäbe besaß, die allerdings im Gegensatz zu einem modernen Zelt weder farblich gekennzeichnet waren noch in irgendeiner Weise miteinander verbunden, sodass man leicht hätte herausfinden können, welcher Stab in welchen anderen Stab oder entsprechende Öffnung gesteckt werden muss. Zu allem Überfluss hatten Mary und Alan keine Anleitung mitgegeben. Nach dem ersten Schock haben wir uns optimistisch an die Konstruktion begeben. Verzweiflung folgte nicht viel später. Mein Lieblingszitat unserer Bauarbeiten: „Wir haben beide Abitur, wir müssen doch irgendwie in der Lage sein, so ein Zelt aufzubauen.“ Wären wir vielleicht gewesen, wenn wir statt eines Gymnasiums auf eine Baumschule gegangen wären. Wir haben dann tatsächlich raus gefunden, welche Stäbe zu welchen passen und wohin diese gehören. Das das Zelt unserer Nachbarn ein ähnliche Fehlkonstruktion wie unseres war, war durchaus hilfreich, da wir so wenigstens ein Modell zur Verfügung hatten. Mary hatte gesagt, dass wir erst mal versuchen sollen, das Zelt alleine aufzubauen und nachher Bericht zu erstatten. Wir haben zwar heraus gefunden, wie man das Zelt theoretisch zusammen baut, aber gewissen physische Veranlagungen waren bei der praktischen Ausführung wenig hilfreich. Beispielsweise dass der Homo Sapiens nur mit 2 Armen ausgestattet ist, die bei deutschen Frauen im durchschnitt eine Spannweite von ca. 1,70 m haben*1 das Zelt aber leider 2 Meter breit, lang und hoch war (die Spitze war so in etwa 2,5m). Zudem eine Körpergröße von 1.65 obwohl auch Berenike mit ihren 1,70m nicht mehr viel ausrichten konnte. Wir haben einen netten jungen Mann getroffen, der eine Zeltseite für uns festgehalten hat, sodass wir den Rest aufstellen konnten. Nächstes Problem: das Zelt blieb nicht stehen. Wir haben versucht, das ganze mit Spannleinen etc. zu stabilisieren, es hat eher semi-gut geklappt. Zum Glück ist dann eine größere Gruppe vorbeigekommen, die sich erbarmt haben uns zu helfen. Nach gut 1,5h stand unser Zelt endlich! Wir haben uns erst mal ein Bier gegönnt, zur Belohnung. Ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung wie Mary und Alan es schaffen dieses Zelt alleine aufzustellen.

Nach unserem Bier sind wir erst mal über das Festival Gelände gelaufen und haben uns alles angeguckt (es war nicht überragend groß, es war in etwa vergleichbar mit dem Freak Valley Festival, vielleicht etwas größer)

Es gab eine kleine Bühne direkt am Eingang, wo mehr oder weniger Entertainment betrieben wurde. Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen, ich ich denke dort konnte jeder, der sich vorab angemeldet hat drauf und irgendwas machen. Meist waren es soweit ich mich erinnere Solokünstler aus der Region, die sich einfach mal dem Publikum vorstellen wollten. Dann gab es ein paar Essensstände, sogar ein Tattoozelt, ein paar Stände für Hippiklamotten und Schmuck und eine ziemlich große Chilllounge, wo von Hängematten über Sofas bis zu Palettenbänken alles vertreten war. Die Menschen, die auf dem Festival waren sahen alle recht merkwürdig aus. Berenikes persönliches Highlight war ein Typ der im Regenbogen Tütü rumgelaufen ist, mit Regenbogen Kniestrümpfen, Regenbogen Slip und Einhorn Cape. Aber Einhornhüte waren keine Seltenheit. Fast jeder hatte ein Einhorn-Horn am Kopf oder ein Kuscheltiereinhorn dabei. Auch war das ganze sehr Farbenfroh, Muster mit Regenbogenfarben standen hoch im Kurs. Für ein farbenfrohes Mensch wir ich es bin ein Traum. Ich war mit meinem Regenbogenkleid hoch im Kurs. Als wir das Überschaubare Festival Gelände ausreichend erkundet hatten sind wir zurück zum Zelt. Hunger.

Wir hatten zu Hause Nudeln gekocht und diese mitgenommen zusammen mit Pesto, Ketschup war eigentlich auch geplant, aber den haben wir vergessen,ebenso wie Teller, Messer, Gabel und alles, was man so zum essen bräuchte.

Wir hatten also wirklich nichts, außer unsere Finger womit wir hätten essen können. Hier muss ich sagen, dass wir zum Glück das Festival genommen haben, welches nur 30 Minuten von Helensville entfernt ist. Wir sind also nochmal zurück gefahren um Besteck zu holen. Auf dem Weg sind wir an einer Pizzeria vorbei gekommen… Was soll ich sagen, an dem Abend gab es Pizza 😉

Zu Hause haben wir dann auch Kate wieder getroffen, die es echt witzig fand, dass wir so schnell wieder da waren. Wir haben Besteck bekommen und sind mit unserer Pizza zurück zum Festival gefahren.

Dort haben wir uns einen tollen Abend gemacht, Pizza gegessen und Bier getrunken und sind dann zum Festival Gelände zur Bühne. Haben da ein bisschen getanzt und die Stimmung genossen und sind so gegen 12 Uhr zurück zum Zelt gegangen. Next Challenge, zu zweit auf einer 1m breiten Matratze schlafen. Für mich hat das alles ganz gut funktioniert, aber Berenike meinte, ich hätte sie von der Matratze gedrängt :/

Am nächsten Tag haben wir ausgeschlafen und dann den Tag mit einem Bier begonnen, wie sich das für Silvester gehört. Wir haben dann noch ein bisschen gegammelt und angefangen Lala Land zu gucken, den ich zufällig noch runter geladen hatte (wir haben es 10 Minuten ausgehalten und brauchten danach noch ein Bier).

Wirklich aufgestanden sind wir erst so um 2 Uhr und sind dann zum Festival gegangen. Viel zu tun gab es über den Tag nicht, das ganze war eher ausgelegt zum ausnüchtern oder zum Konsum von weiteren Substanzen.Wir haben eigentlich den ganzen Tag nur auf den Sofas gechillt uns unterhalten und Bier getrunken. Abends gab es dann Nudeln mit Pesto und eine Flasche Pfirsich Schnaps fürs neue Jahr. So um 10 sind wir dann wieder zur Bühne, nicht zu der, bei der wir am Tag davor waren, wir wollten mal die andere Bühne ausprobieren, die war aber nicht so cool. Zum einen war die komplett überdacht weshalb es darunter mit sämtlichen tanzenden Menschen ziemlich warm geworden ist und zum anderen war der DJ nicht so der Bringer. Mitten in einem Song hat plötzlich die Musik angehalten und das war der Moment, als wir beschlossen habe wieder zur anderen Bühne zu gehen.

Dort haben wir dann das neue Jahr begonnen. Wir haben auch noch eine andere Deutsche gefunden, die ihre Mama zu Besuch hatte und mit ihr auf dem Festival war. Der lustigste Moment war, als eine Gruppe Franzosen vor uns lautstark angefangen haben zu jubeln, weil sie auf ihrem Handy runtergezählt hatten. Alle, die drum herum standen, haben daraufhin auch angefangen, das neue Jahr zu feiern. Der DJ hat aber erst eine gute halb Minute danach angefangen runter zu zählen… Eine Uhr war definitiv falsch… Berenike hat sich sogar noch einen Neujahrskuss geangelt und so gegen halb 2 sind wir das erste mal 2019 ins Bett gegangen.

Der nächste Tag begann ähnlich wie der vorherige, nur früher. Wir haben uns erst mal auf gemacht um zu duschen. Nach einer halben Stunde in der Schlange waren wir dann auch dran, aber von Erfrischung keine Spur. Die Duschkabine selbst war sehr stickig und auch das warme Wasser war in Anbetracht der Tatsache, dass es draußen an die 25 Grad hatte nicht sonderlich toll. Man kam in etwa so angeschwitzt aus der Dusche, wie man rein gegangen ist. Dann haben wir wieder ein bisschen am Festival Gelände rumgehangen. Ich weiß nicht, vielleicht klingt das jetzt alles so ein bisschen langweilig, wenn man das so liest, aber tatsächlich war es das nicht. Wir haben jetzt nicht besonders viel gemacht außer zu esse, zu trinken und Abends tanzen zu gehen, aber es war trotzdem toll. Wir hatten mega viel Spaß. Bei einem Gag zum Klo habe ich dann ein paar echt nette Mädels kennengelernt, die ein bisschen high waren aber wir haben uns total gut verstanden. Eine von denen hatte richtig coole surface Piercings und wir haben ein bisschen über Piercings im Allgemeinen gefachsimpelt und sie hat mir erzählt dass sie in einem Piercingstudio arbeitet und ich doch mal vorbeikommen soll, wenn ich mal in Tauranga bin*2.

Eigentlich sollte das Festival bis zum 2.1. gehen und morgens enden. Allerdings war unser Verlangen nach einer kalten dusche und einem richtigen Bett so groß, dass wir beschlossen doch schon am 1.1. abends zurück zu fahren. Eigentlich wollten wir warten, bis es dunkel ist und dann nochmal zur Bühne, ein paar Fotos machen, nochmal den Abend genießen und dann zurück. Es hat sich aber raus gestellt, dass auf der Bühne auch schon nicht mehr so viel los war. Daher sind wir dann noch ein bisschen früher zurück gekommen. Aber es war toll, wir hatten richtig viel Spaß, ein paar nette Leute kennengelernt.

*1 Ich habe versucht die durchschnittliche Armlänge bei Frauen zu recherchieren aber es gibt dazu erschreckend wenige Ergebnisse. Aber ich habe gelesen, dass die Spannweite der Arme ungefähr der Körpergröße eines Menschen entspricht. Danach habe ich die durchschnittlich Größe einer Frau gegoogelt und diese Ergebnisse für die Angabe in diesem Beitrag verwendet.

 https://www.gutefrage.net/frage/durchschnittliche-armlaenge-mann

https://durchschnittliche.de/koerper-mittelwerte/9-durchschnittliche-koerpergroesse-bei-frauen

 *2 spoiler alert, ich war tatsächlich seitdem nochmal in Tauranga, habe mir aber leider kein Piercing stechen lassen. Ich fände es zwar mega cool und so, aber ich möchte in Deutschland wahrscheinlich wieder mit Fußball spielen anfangen und da ist so ein Piercing am Schlüsselbein doch eher hinderlich und ein Verletzungsrisiko.

Das Festival Gelände
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