Tag 3

Auch das Aufstehen am dritten Tag unserer Reise verlief nicht so, wie erwartet. Wir mussten um 10 Uhr das Zimmer verlassen und sind um halb 9 aufgestanden. Aber trotz einer Bedenkenträgerin, die uns permanent zur Beeilung aufrief haben wir es doch noch pünktlich geschafft. Da wir den Strand, der direkt vor unserem Haus war komplett vernachlässigt hatte, war dies das erste, was wir uns an diesem Morgen ansahen. Nach dem obligatorischen Fotoshooting und Muschel sammeln ging es weiter.

Der Strand vor dem Hotel

Auf der Hinfahrt hatten wir die „Autobahn“ genommen, die größtenteils an der Ostküste entlangführte. Auf dem Rückweg entschieden wir uns dafür, einige Besichtigungen zu machen, die nicht unbedingt zur schnellsten Route nach Hause beitrugen. Wir wollten uns den größten Kauri Baum ansehen, der btw auch der viert größte Baum der Welt ist. Die Straße, die wir daher nehmen mussten führte an der Westküste entlang und dauerte etwas länger und war mit einigen Umwegen verbunden. Emily und ich wollten unbedingt noch zu den Rainbow Falls, die dummerweise nicht exakt auf der Reiseroute lagen. Jedoch hatten wir ein entscheidendes Handicap, welches unsere Planungen erschwerte. Besser gesagt zwei. Zwei Handicaps. Unsere Mitreisenden mussten irgendwie wieder zu ihrer Reisegruppe kommen, die sie mit nach Auckland nehmen konnten. Da ihre Reisegruppe im Nachbarort ein Hostel hatte, hatten wir eigentlich damit gerechnet sie direkt morgens dort abgeben zu können, jedoch war die andere Gruppe leider deutlich früher unterwegs als wir und so kam es, dass als wir aufbrachen diese angeblich schon die erste Sehenswürdigkeit hinter sich hatten. Man wollte sich aber später beim Kauri Baum treffen und die Übergabe vornehmen.

Auch unser Vorschlag uns noch die Rainbow Falls anzusehen wurde nicht mit Begeisterung aufgenommen. Man und in diesem Fall meine ich unsere Mitreisenden gaben zu bedenken, dass wenn wir uns noch andere Sehenswürdigkeiten ansehen wollten, man eventuell zu spät zum Kauri Baum kommen würde und die anderen warten müssten. Dass Emily und ich auf der hinfahrt auch an die zwei Stunden auf unsere beiden Herzchen hatten warten müssen wurde vollkommen ignoriert, wie auch der Punkt, dass die anderen sich ja auch noch Orte am Weg ansehen wollten. Wir setzten unseren Plan mit den Rainbow Falls jedoch durch und versprachen uns zu beeilen. Dies wurde uns nicht besonders schwer gemacht, denn die Rainbow Falls begeisterten mich nicht besonders. Ich weiß nicht, ob es am Wetter lag oder tatsächlich am Ambiente oder einfach daran, dass ich in den letzten Tagen genug cooles Zeug gesehen hatte, jedenfalls hielt sich meine Euphorie in Grenzen. Die der anderen auch und so verbrachten wir nicht besonders viel Zeit dort. Außer dass wir eine Kreditkarte fanden passierte reichlich wenig Spektakuläres. Diese nahmen wir an uns und beschlossen sie zur Bank zu schicken, die den Besitzer kontaktieren konnten.

Wir fuhren weiter mit dem festen Entschluss, nun auf direktem weg zum Waipoua Forest zu fahren. Entlang einer unscheinbaren Straße begegnete uns ein Gewässer. Erst dachten wir es sei ein See, aber anscheinend hatte es eine Verbindung zum Meer. Ich kann hier leider nicht sagen, wo genau das war, die Vermutung ist, dass es in der Umgebung von Opononi war. Aber keine Garantie. Jedenfalls war es wieder ein breathtaking view und zum Glück hatte ich sogar mal eine kurze Hose an, sodass ich nicht auf den Spaß des ins Wasserlaufens und über Wellenhüpfens verzichten musste. (Ja der Statz ist so korrekt, auch wenn es mich einige Mühe gekostet hat und jetzt vielleicht nicht ganz einfach zu lesen ist)

Wir fuhren weiter und näherten uns dem Kauri Baum. Das merkten wir daran, dass es Wald wurde. Die Straße wurde noch kurviger als sowieso schon und überall waren Bäume, Gestrüpp und andere komische Sachen. Die Vorstellung dort verloren zu gehen ist grauenvoll angsteinflößend, selbst wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass es in Neuseeland kaum giftige Tiere gibt. Bis man da wieder rausfindet würde es Wochen dauern.

Am Kauribaum angekommen fiel uns als erstes auf, dass die andere Gruppe nicht da war. Ob nicht mehr oder noch nicht konnten wir nicht sagen, denn leider haben uns in dem Wald die mittel der Telekommunikation sowie die Datenströme des Globalen Netzes verlassen. Wir beschlossen erst mal zum Baum zu laufen und dann weiter zu sehen. Interessanterweise waren fast alle Aktivitäten kostenlos. Das einzige, wofür wir an diesem Wochenende unternehmungstechnisch etwas bezahlen mussten war die Boot Tour. Für Touristen aus Deutschland, die gewöhnlich allein für die Raststätten Toiletten ein halbes Vermögen hinlegen müssen ein überwältigender Zustand kapitalistischer Abwesenheit. Das einzige, was von uns verlangt wurde, bevor wir uns auf den Weg zum größten Baum Neuseelands aufmachten war, dass wir unsere Schuhe säubern. Der Kauribaumbestand wird von einer Krankheit bedroht, die sich Kauri dieback disease nennt (also im Prinzip nur Kauri Absterben) und unheilbar und tödlich ist. Sie wird durch den Oomyceten Phytophthora agathidicida https://www.google.de/search?client=opera&q=kauri+dieback+disease&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8 (Schätzungsweise ein Pilz) verursacht und wenn das jemanden interessiert, kann man sich bestimmt selbst einen Internet Artikel dazu raus suchen und durchlesen.

Außer des Schuhe putzens wurde sonst nichts von uns erwartet. Der Weg durch den Dschungel war nicht weit und wir erreichten eine Art Aussichtspunkt von wo aus man den Baum sehen konnte. Zum Baum selbst durfte man leider nicht hin, was jedoch verständlich ist, wenn man bedenkt, dass der Baum gefährdet ist und täglich hunderte Touris kommen um sich den Wonneproppen der Nation anzusehen. Der Baum war so groß, dass man ihn tatsächlich nur mit der Panoramafunktion der Kamera ganz aufs Bild bekam. Wir machten ein paar Einzelfotos und eine nette Security Dame, die aufpasste, dass niemand über den Zaun klettert um den Baum zu knuddeln und ihn dabei anzustecken hat anschließend noch ein paar Gruppenfotos von uns gemacht. Neuseeland ist voll von deutschen, was uns noch einmal auffiel, als ich beim Kauribaum sagte, dass ich gerne weiter fahren würde um zum Abendessen wieder zu Hause zu sein. Ein Mädchen, dass grade an uns vorbei lief drehte sich um und meinte, je nachdem wo ich wohne könne dies aber knapp werden. Es stellte sich heraus, dass sie auch aus Auckland kam und das Wochenende am Cape Reinga verbracht hatte.

Als wir zurück auf den Parkplatz kamen war von den anderen immer noch keine Spur zu sehen. Emily und ich weigerten uns noch eine Stunde zu warten und trotz des starken Protests einer Mitfahrerin beschlossen wir eine der Security Damen zu fragen, ob ihnen die Gruppe aufgefallen sei. Diese versicherte uns dann auch prompt, als wir ihr ein Foto zeigten, dass sie sich an eine aus der Gruppe erinnern könne, diese waren vor ca. 1-1,5 Stunden da. Sie erklärte uns zusätzlich noch, wie lange wir fahren müssten um wieder Handy Empfang zu haben (30 Minuten!! Das würde es in Deutschland nirgends geben.) Hektisch brachen wir also auf und versuchten verzweifelt die beschriebene Stelle zu finden. Zunächst vergeblich, bis dann plötzlich ein Balken auf den Handys der anderen auftauchte (ich kann es von meinem natürlich nicht sagen, denn ich als Fahrerin war selbstverständlich nicht am Handy). Jedoch gingen die anderen nicht ans Handy. Typisch. Wir fuhren weiter und der Empfang war wieder weg. Schließlich hielten wir bei ein paar Häusern und die beiden zogen los um zu fragen, ob sie vielleicht kurz telefonieren dürften, trotz des mangelnden Verständnisses dieser Aktion bei einer unserer Begleitungen („Was soll das denn bringen??“ Hmm gute Frage, ______. Vielleicht bringt euch das, dass ihr die anderen Mal anrufen könnt um zu fragen wo die sind und dass sie an einem vereinbarten Treffpunkt auf euch warten sollen, damit Emily und ich weiterkommen??) Denken war nicht grade ihre Stärke… wie man vielleicht noch nachträglich merkt, Emily und ich waren ziemlich angepisst.

Die beiden konnten leider nicht telefonieren und kehrten unverrichteter Dinge wieder zurück. Wir fuhren weiter und hofften die anderen irgendwann zu erreichen. Dach knapp einer Stunde war es soweit und es kam eine Nachricht. Eine Nachricht, dass man grade beim Kauri Baum gewesen sei und jetzt weiterfahre. Leider hatte uns die nette Security Frau falsch informiert.

Jedoch ging nun, da der Kontakt wiederhergestellt war, alles Übrige verhältnismäßig schnell. Unsere beiden Organisationsgenies besprachen mit der anderen Gruppe, dass man sich in Wellsford treffen würde, wo ja alle auf dem Weg nach Hause herfahren würden (was allen klar war außer______, die fragte, woher man denn wisse, dass die anderen nicht woanders abbiegen würden. Naja.)

Als wir durch Wellsford kamen, verabschiedeten wir uns von den beiden und fuhren endlich weiter. Nach gut einer weiteren Stunde kamen wir endlich in Helensville an. Sogar mehr oder weniger pünktlich zum Dinner. Ich brachte Emily nach Hause und fuhr zurück zu meinen Flat Mates, wo mich Kate damit begrüßte mir zu sagen, dass ich ja früh zurück sei und sie mich nicht vor Mitternacht erwartet habe. Ich habe trotzdem etwas zu essen bekommen.

– Ende –

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