Tag 2

Wir hatten geplant am Sonntag hoch zum Cape zu fahren. Wir wollten früh aufstehen, was nicht ganz klappte. Auf dem weg wollten wir uns noch einige andere Sehenswürdigkeiten ansehen und einer sehr beliebte Freizeitaktivität namens Sand surfen frönen. Hier erwies es sich als hilfreich, die Herbergsmutter zu fragen, was man unternehmen könne. Zusätzlich zu einigen Informationen über Reiseziele in der Umgebung lieh sie uns auch Sandboards, was uns 10$ pro Person ersparte.

Unser erster Stopp war keine viertel Stunde vom Hostel entfernt. Eine Art Museum/Shop, in der ein Kauri Baum ausgestellt war in den eine Treppe gebaut wurde. Die Kauri Bäume (der Nationalbaum der Neuseeländer) ist riesig und hier erhielt man eine Vorstellung über die Dimensionen des Baumes. Außer dem Baum gab es hier nichts zu sehen, weshalb unser Aufenthalt nicht länger als 10 Minuten dauerte.

Das nächste Ziel war der Rarawa Beach. Der Strand mit dem zweitweißesten Sand war unbeschreiblich schön. Leider musste man erst mal durch einen unappetitlich aussehenden Fluss warten, bei dem man bis zu den Hüften im Wasser stand. Für uns, die wir alle lange Hosen anhatten eine Herausforderung, besonders für jene (in diesem Falle ich) die Jeans trugen. Kurzum zog ich die Jeans aus und wartete in Bikinihose auf die andere Seite. Diese Entscheidung erleichterte es ungemein, über Wellen zu springen und ins Wasser zu warten um Muscheln und anderes sinnloses Zeug zu sammeln (ich bin eine begeisterte Muschelsammlerin und habe bis jetzt von jedem Strand, an dem wir waren Muscheln gesammelt). Hier hielten wir uns deutlich länger auf als bei dem ausgestellten Kauri Baum. Wir machten hunderte Fotos, bestiegen Dünen um zu sehen, dass es von dort noch viel schöner aussah und machten noch mehr Fotos. Schließlich fuhren wir weiter.

Diesmal fuhren wir sehr lange. Kurz vor dem Cape wollten wir uns noch die Tapotupotu Bay ansehen. Eine kleine, sehr versteckte Bucht. Doch zunächst mussten wir durch den Dschungel fahren. Die einzige Autobahn (1) führt von ganz im Süden ganz in den Norden und endet direkt am Cape. Der nördlichste Zipfel ist komplett vom Busch umgeben. Und die einzigen Straßen, die zum Strand führen sind Schotterstraßen. Am Freitagabend, bevor ich losfuhr erzählten mir meine Flat Mates* dass zum Cape nur eine 30 km lange Schotterstraße führe. Lachlan bot auch an, mit mir noch kurz zur Inlandroad zu fahren und dort zu üben, da die Schotterstraßen teilweise sehr eng, kurvig und nicht etwa eben sind, sondern auch gerne mal schräg sein können, sodass man beim fahren, wenn man aus dem Fenster sieht quasi direkt den Hang hinunter guckt. Sehr gruselig. Da Emily in der eben genannten Inlandroad wohnt und ich sie schon des Öfteren abgeholt habe, lehnte ich Lachlans Angebot jedoch ab. Wie sich herausstellte, war die Straße zum Cape auch mittlerweile geteert worden, sodass die Sorge unbegründet war. Jedoch mussten wir um zur Bay zu gelangen einen Schotterweg fahren. Aber es hat sich gelohnt. Hier mussten wir nicht durch einen Fluss warten, um an den Strand zu kommen, deshalb behielt ich meine Jeans an. Rückblickend nicht die beste Idee. Das Meer war zu schön um ihm wiederstehen zu können und die Wellen waren zu hoch, als das meine bis zu den Knien hochgezerrte Hose eine Chance gehabt hätte trocken zu bleiben. Ich wäre am liebsten Schwimmen gegangen, aber das erlaubte der Zeitplan und mein Toleranzbereich was die Temperatur angeht (stenök bzgl. Temp.) leider nicht. Allerdings gibt es dort auch einen Campingplatz, direkt am Strand, sodass es sich lohnen würde im Sommer noch einmal dorthin zu fahren. Die Bay war unbeschreiblich schön. Und mit unbeschreiblich meine ich unbeschreiblich, deshalb werde ich einfach sämtliche Bilder hier einfügen, obwohl die nicht annähernd die Schönheit der Bay wiedergeben können.

Auf dem Weg zurück zum Auto (ich mit klatsch nasser Hose) habe ich sogar noch zwei Skelette von Fischen gefunden, die ich zu gerne untersucht hätte, aber die anderen haben mich nicht gelassen.  Nachdem ich meine nasse Jeans gegen eine trockene Jogginghose getauscht hatte, ging es weiter, zurück durch den Dschungel.

Der besagte, tote, gut erhaltene Fisch

Nächster Halt: Cape Reinga.

Was soll ich sagen? Es war toll. Traumhaft schön (ich weiß, ich sage das sehr oft, aber es war einfach so!) und unglaublich beeindruckend. Zu drei Seiten das Meer: rechts der Pazifik, links die Tasmanische See und vor einem das beeindruckende Schauspiel wie die beiden Ozeane aufeinandertreffen. Auf Grund der unterschiedlichen Gezeiten gibt es an der Stelle wo beide ineinanderfließen einen kleinen Höhenunterschied und das dadurch entstehende Wellen Gekräusel ist gut zu erkennen. Man kann sogar einen leichten Farbunterschied zwischen den beiden Ozeanen sehen.

Ich war unglaublich fasziniert von einem kleinen Boot, was vor dem Cape rumgetuckert ist. Wie cool ist das denn, von einem Ozean in den anderen zu fahren?!

Auf dem Rückweg zum Auto trafen wir die andere Gruppe, mit der unsere beiden Begleitungen aus Auckland gefahren sind. Ebenfalls vier Mädels, die sehr nett waren und wie wir nach dem Cape Reinga zum Sand surfen wollten. Nachdem wir noch einige Zeit auf einer Wiese gelegen, Gummibärchen gegessen und dem Meer beim ineinanderfließen zugesehen haben (oder in meinem Fall sich unnatürlich für ein kleines Boot zu interessieren) brachen wir zum Sand surfen auf.

Unsere Hostelmum hatte uns als sie uns die Boards lieh einige Tipps gegeben: Auf dem Bauch fahren, bloß nicht im Stehen, wenn man sich setzt bekommt man beim Bremsen den ganzen Sand in die Augen und Bremsen! Als wir bei den Giant Sand Dunes ankamen war es zunächst erst einmal faszinieren, zu sehen, dass es in Neuseeland Sanddünen gibt. Riesige Sanddünen, wie in der Wüste. Und da konnte man raufklettern und wieder runterrutschen. Wenn man denn hochkam, was nicht allzu leicht war, denn die Hänge waren fast senkrecht. Kurz bevor wir unser Ziel erreichten fing es an zu nieseln und wir hatten schon Angst, dass wir bei Regen nicht würden surfen können. Dies erwies sich jedoch schnell als unbegründet, denn als wir ankamen, waren massig viele Menschen in den Dünen und surften die Hänge hinab. Das Sandsurfen entspricht, so sagte man uns, in etwa dem Snowboarden. Ich finde es ähnelt eher dem Schlittenfahren oder noch eher dem Tütenrutschen (für alle ohne Kindheit: man nimmt sich einen Müllsack und legt sich wahlweise hinein oder bäuchlings darauf und rutscht einen verschneiten Hang hinunter. Als es einen Winter stark geschneit hat, hat ein Vater aus unserer Nachbarschaft sogar eine Art Eiskanal fürs Tütenrutschen gebaut. Ein gutes Jahr, hinsichtlich des Schneespaßes.) Beim Sand surfen benutzt man ein Surfbrett, klettert damit die Düne hoch, legt sich auf das Board und fährt wieder runter. Total witzig, jedoch auch anstrengend, immer wieder die Dünen hoch zu kraxeln.

Als es anfing zu dämmern beschlossen wir aufzubrechen, da wir uns den Sonnenuntergang am 90 Miles Beach ansehen wollten. Auf dem Rückweg gestaltete sich jedoch die suche nach einer geeigneten zufahrt zum Beach als schwieriger als erwartet und so verpassten wir den Sonnenuntergang.

Tatsächlich haben wir den 90 Miles Beach überhaupt nicht betreten; ein Grund mehr, noch einmal Richtung Norden zu fahren.

Mit einer weiteren Portion Spaghetti mit Fertig-Tomatensauce und einer Flasche Wein ging so auch dieser Ereignisreiche Tag zu Ende.

*Kate (meine Gastmum) möchte nicht, dass ich sie Gastmum nenne, weil sie sich dann alt fühlt. Sie ist nicht meine Mum, sie hat mir nichts zu sagen, nicht wann ich zu Hause sein soll und auch sonst nichts (ihre Worte!) Sie sieht mich eher als Mitbewohnerin, die machen kann, was sie will. Ein Flat Mate eben.

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